Hundebabyhandel auf Wiener Mariahilfer Straße
Sofort erkannte Herr S., dass die junge Hündin maximal 3-4 Wochen alt war und daher viel zu früh ihrer Mutter entrissen worden war. Voller Zorn stellte er den Verkäufer zur Rede, der sich aber zunächst uneinsichtig zeigte. Als der Tierfreund jedoch sein Handy zückte und die Polizei anrief, drückte ihm der illegale Händler den Welpen einfach in die Hand und ergriff die Flucht.
Herr S. packte das bibbernde Bündel Elend sofort unter seine Jacke, um es wenigstens ein bisschen zu wärmen. Doch was nun? Er überlegte hin und her, denn er selber konnte den abgemagerten Welpen (auf den Fotos täuscht sein dichtes Fell über den Ernährungszustand hinweg) nicht behalten, da er schon mehrere Tiere hatte. Während er so vor sich hin grübelte fiel ihm ein, dass er vor einiger Zeit über die "Franz-von-Assisi-Höfe" des Österreichischen Tierschutzvereins gelesen hatte. Je mehr er darüber nachdachte, desto besser gefiel ihm die Idee, denn er erinnerte sich, dass die Hunde dort in Gruppen mit Freilauf gehalten werden und nicht in engen Zwingern ihr Dasein fristen müssen. Also rief er die Auskunft an, ließ sich die Adresse des Wiener Büros des Österreichischen Tierschutzvereins geben und sprang in das nächste Taxi.
Wenig später übergab er den Welpen an Mitarbeiter des Österreichischen Tierschutzvereins, die sofort eine tierärztliche Untersuchung veranlassten. Gott sei Dank stellte sich heraus, dass der Welpe zwar abgemagert war, aber sonst keine offensichtlichen Krankheiten hatte. Nach einer Welpenimpfung konnte er die Tierklinik gleich wieder verlassen. Noch am selben Tag sollte die kleine Hündin zum nächstgelegenen "Assisi-Hof" nach Niederösterreich gebracht werden, doch es kam anders. Einer Mitarbeiterin des Österreichischen Tierschutzvereins fiel nämlich ein, dass eine befreundete Familie ohnedies einen zweiten Hund haben wollte. Die Idee gefiel und so wurde das Hundebaby gleich zu ihr gebracht. Es war Liebe auf den ersten Blick, denn trotz ihres kärglichen Ernährungszustandes erwies sich die Kleine als echt quirliges und freundliches Persönchen. Auch die eigentliche "Hausherrin", ein Havaneser-Weibchen, freundete sich sofort mit ihr an.
Heute, lange nach dem Vorfall, hat sich unser "Findling" gut erholt und auch schon einiges an Gewicht zugelegt. Sie nennt nun ein ganzes Haus mit Garten ihr Eigen und hält ihre neue Familie ganz schön auf Trab.
Doch viele der aus dem Osten eingeschmuggelten Hunde haben nicht so viel Glück. Sie sterben meist an Entkräftung oder an Krankheiten. Leider ist dieses illegale Geschäft mit dem Mitleid stark im Kommen, denn Mitleid ist ein guter Verkäufer. Das bemerkten vor einigen Jahren schon Österreichische Tiergeschäfte und stellten Hunde und Katzen in Schaufenstern aus. Im Zuge des neuen Bundestierschutzgesetzes wurde dieser Praxis jedoch ein Riegel vorgeschoben. Nun boomen aber die illegalen Ostimporte, die von Straßenhändlern angeboten werden.
Der Österreichische Tierschutzverein ersucht daher alle Tierfreunde nicht aus Mitleid zu kaufen. Denn je mehr Straßenhunde verkauft werden können, umso mehr werden hereingeschmuggelt. Bitte informieren Sie stattdessen den Amtstierarzt der nächstgelegenen Bezirkshauptmannschaft (in Wien die MA60) oder eine nahe Tierschutzorganisation. Nur durch konsequente Vorgangsweise kann man diesem neuen Problem Herr werden.
06.03.2008 14:15
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